Aufgrund einiger Getriebeprobleme in der vergangenen Rennsaison beschloss das Team R-Quadrat-S für 2008 ein komplett neues Getriebe zu bauen. Ausgangsbasis sollte weiterhin das auch bisher eingesetzte Gehäuse des "Renault UN1" Getriebes sein.
Dieser Bericht zeigt, dass zwar viele langwierige Arbeitsschritte erforderlich sind, dass ein Getriebe für den Rennsport aber sehrwohl selbst gebaut werden kann.
Das Autocross-Team R-Quadrat-S hat beschlossen, den bisher eingesetzten Gehäusetyp weiter zu verwenden. Damit waren dann auch schon erste Parameter wie beispielsweise der Wellenabstand oder die Wellenlänge festgelegt. Alles andere im Inneren des Getriebes sollte jedoch neu aufgebaut werden. Alle Teile die sich als Fehlerquelle erwiesen hatten, sollten verstärkt werden. Daher war erstmal tüfteln und nächtelanges Zeichnen am Computer angesagt, da die Teile ja trotz Verstärkung noch in das vorhandene Gehäuse passen mussten.
Als allererstes musste das Rohmaterial besorgt werden. Doch dies war noch eine der leichtesten Aufgaben. Als die drei Stahlstangen mit einem Duchchmesser von 120 bzw 80 mm und einer Länge von 240 cm in der Werkstatt lagen, war allen Teammitgliedern klar, dass es noch ein weiter Weg sein würde, bis daraus zwei funktionierende Getriebe entstehen. Aber einschüchtern lässt sich das R-Quadrat-S Team von so einem bisschen Stahl noch lange nicht. Mittels Bandsäge waren die Stangen einige Zeit später in handliche weiterverarbeitbare Rohlinge verabeitet.
In mehreren Arbeitsschritten wurden dann diese Rohlinge von Christian Rammerstorfer an der Drehmaschine vorbereitet. Erster Schritt war dabei das sogenannte "Schälen", wo die oberste Zunderschicht entfernt wird. Der nächste Arbeitsschritt ist das sogenannte Schruppen. Hierbei wird der Rohling mal grob auf seine endgültige Form gedreht. Danach durfte sich der Rohling dann erstmals ausruhen, damit sich die durch die Verarbeitung entstandenen Spannungen im Material wieder abbauen konnten.
Danach kommt der sogenannte Schlichtvorgang. Hier werden mit einem anderen Drehmesser die Rohlinge dann auf ihre exakten Maße fertiggestellt.
Eine Herausforderung stellte auch die Bearbeitung der Getriebewellen dar. Aufgrund der Länge konnten die Wellen nicht in einem Arbeitsgang bearbeitet werden. Oftmaliges Umspannen erforderte höchste Aufmerksamkeit, damit später auch alles ordentlich "rund läuft".
Für die nächsten Arbeitsschritte war es erforderlich, das Werkeug zu wechseln. Auf einer Fräsmaschiene kümmerte sich Wolfgang Dumps darum, dass die Zahnräder langsam aber sicher wie Zahnräder aussehen. Wolfgang musste sich dabei besonders darauf konzentrieren, den Teileapparat immer korrekt einzustellen. Nun endlich konnte er sehen, dass seine Berechnung der Zahnräder richtig waren. An keinem einzigen Zahnrad ergaben sich "halbe" Zähne. Alles gelang wie gewünscht.
Anfangs war Wolfgang über die Änderungen in den Plänen noch skeptisch. Nach einiger Zeit konnte aber auch er sich vorstellen, dass die Änderungen eine bessere Haltbarkeit bringt. Für die Herstellung bedeutet dies aber eine neue Arbeitsmethode. Im sogenannen "Stossverfahren" wurde die Innenverzahnug hergestellt. Und spätestens als nach einer vollständigen Runde auch hier wieder ganze Zähne herauskamen, war Wolfgang endgültig erleichtert.
Eine Geduldsprobe sollte noch die Bearbeitung der Klauen werden. Hierzu wurde eigens ein neuer Fräser angefertigt. Doch dieser ließ lange auf sich warten. Bei der Bestellung ist ein Fehler passiert. Genaugenommen ist die Bestellung verloren gegangen. Doch das ahnte anfangs keiner. Erst als die Lieferzeit weit überschritten war, wurde dies offensichtlich. Doch noch war genug Zeit, bis die Saison 2008 starten sollte. Die zweite Bestellung klappte dann, sodass auch die "Klauen" bearbeitet werden konnten.
Doch noch ist das Getriebe nicht fertig. Es fehlt noch der Härtevorgang. Ungehärtet würde das Getriebe vermutlich nicht mal einen einzigen Lauf überstehen. Bevor die Zahnräder in die Härterei gebracht werden konnten, war noch etwas Handarbeit angesagt, denn für das Entkraten gibt es keine Maschine.
Noch immer konnte nicht getestet werden, ob sich die Arbeit gelohnt hat. Bevor die Zahnräder eingebaut werden konnten, mussten noch einige Teile geschliffen werden. Als Zahnräder von diesem Arbeitsschritt zurückkamen, hat sich das Team sofort daran gemacht, alles in das Gehäuse einzubauen. Dabei musste besonders darauf geachtet werden, dass alles korrekt eingestellt wird. Und erst jetzt zeigte sich, ob von Anfang an alles sauber berechnet wurde. Endlich konnte das Team aufatmen. Das Zahnflankenspiel war überall innerhalb der zulässigen Toleranzen.
In unserem Bildarchiv finden Sie noch weitere Bilder von der Herstellung des Getriebes. Viele viele kleine Arbeitsschritte waren erforderlich, dass letztendlich ein funktionierendes Getriebe dabei entstehen konnte.








